Schülerberichte

Übersicht

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Mariel Wendel berichtet von einer Sitzung des Europäischen Jugendparlaments in Finnland

Helen Schuster, Klasse 10b: Ein halbes Jahr in Québec

Julie Willrett, Klasse 9, berichtet vom Austausch Breisach-Combourg 2014

Am Morgen des 21.05. 2014 machten wir, einige Schüler der damals 8. Klasse des Martin-Schongauer-Gymnasiums, uns zu unserer Reise nach Combourg in der Bretagne auf.
Nach einer etwa achtstündigen Fahrt mit dem TGV kamen wir am späten Nachmittag am Bahnhof von Combourg an, wo wir von unseren französischen Gastfamilien freudig erwartet wurden. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir eine wunderschöne Woche mit unseren Gastfamilien und mit zwei tollen Ausflügen verbringen würden. Im Laufe dieser Woche lernten wir das französische Schulsystem kennen, waren Katamaran fahren, wanderten zum Mont-Saint-Michel, besichtigten dort das Kloster und verbrachten natürlich viel Zeit mit unseren Austauschpartnern und deren Familien. So hatten wir die Möglichkeit durch Spiele, Aktivitäten und viele Gespräche unser Französisch zu verbessern und dabei noch einiges über die fremde Kultur kennen zu lernen. Leider ging diese außergewöhnliche Woche viel zu schnell vorbei. Etwas traurig, aber mit vielen schönen Erinnerungen und der Gewissheit, dass wir uns ja bald wiedersehen werden, im Gepäck stiegen wir am 28. Mai früh morgens in den Zug ein, der uns wieder zurück nach Deutschland bringen sollte.
Nach einem längeren Aufenthalt in Paris, bei dem wir bekannte Sehenswürdigkeiten wie den Eiffelturm und die Kirche Sacré-Cœur zu sehen bekamen, kamen wir gegen zehn Uhr abends wieder am Bahnhof in Colmar an.

Nach etwa einem halben Jahr, war es dann am 27. 11. so weit:
Endlich kamen uns unsere Austauschpartner in Deutschland besuchen.
Es dauerte nur eine kurze Zeit bis das Eis zwischen uns brach und bis wir uns wieder genauso gut unterhalten konnten wie während unserer Woche in Frankreich. Es war sehr interessant zu hören, wie es den Familien unserer Austauschpartner geht und was seit unserem Besuch alles geschehen ist.
Auf unserer Austauschpartner wartete hier in Deutschland auch eine sehr ereignisreiche Woche: Natürlich gingen die Austauschpartner auch mit uns in den Unterricht, wo wir die Zeit nutzten, unsere Exkursionen in das Bergwerk im Schauinsland und unsere Münsterführung in Freiburg vorzubereiten. Diese Ausflüge waren beide sehr interessant und selbst wir, die ja in der Nähe von Freiburg und dem Schauinsland wohnen, konnten noch etwas dabei lernen.
Auch diese Woche war leider viel zu schnell vorbei. Mit schwerem Herzen und teilweise sogar Tränen in den Augen begleiteten wir unsere Austauschpartner, die wir mittlerweile so gut kannten und lieb gewonnen hatten, zum Breisacher Bahnhof.
Für uns alle ging eine wunderschöne und lehrreiche Zeit vorbei, die wir so nie wieder wiederholen können. Wir haben nicht nur unsere Französischkenntnisse erweitert, wir haben auch Freundschaften geknüpft, die sicher noch lange Zeit bestehen werden.
Le matin du 21 Mai, nous, quelques élèves du lycée Martin-Schongauer, sommes partis à Combourg en Bretagne. Après un voyage de huit heures avec le TGV, nous sommes arrivés à la gare de Combourg, où les familles des correspondants français nous attendaient. A ce moment nous ne savions pas encore que nous allions passer une très bonne semaine avec nos familles d’acceuil et nos deux excursions.
Pendant cette semaine nous avons fait l’expérience du système scolaire français, nous avons fait du catamaran, nous sommes allés au Mont-Saint-Michel, là, nous avons visité le cloître, et nous avons passer beaucoup de temps avec nos correspondants et leurs familles. Nous avions la possibilité d’améliorer le français et de faire l’expérience de la culture française. Malheureusement, cette semaine était trop courte.
Le 28 Mai, nous sommes partis tristement mais en sachant que nous allons nous revoir bientôt. Après avoir visité Paris, nous sommes arrivés le soir à la gare de Colmar.P1170622

Puis, environ un demi an après, nos correspondants sont venus en Allemagne pour nous visiter ici. Après un peu de temps sans parler beaucoup, nous pouvions converser aussi bien qu’en France.
Pour nos correspondants c’était aussi une semaine très agitée en Allemagne :
Bien sûr, nos correspondants sont aussi allés à l’école ici, où nos avons préparé nos excursions dans la mine du Schauinsland et à Freiburg, où nous avons visité la cathédrale, le « Münster ». tous les deux excursions étaient très intéressants et même nous, qui vivent près de Freiburg et du Schauinsland, ne savions pas encore tout que nos guides nous ont dit.
Cette semaine était aussi trop courte. Nous étions très malheureux d’accompagner nos correspondants, que nous connaissions très bien, à la gare de Breisach.
Nous avons passé un temps très bon avec nos correspondants, nous avons amélioré notre connaissances de français et nous avons trouvé des copains et copines que nous n’allons jamais oublier.

Kommentar der Französischlehrerin:

Julie hat ihren Bericht in beiden Sprachen verfasst. Auch der französische Teil stammt original aus ihrer Feder und zeigt, welches sehr hohe fremdsprachliche Niveau in Klasse 9 im bilingualen Zug erreicht werden kann.

 

Helen Schuster, Klasse 10b, Ein halbes Jahr in Québec

Während des zweiten Schulhalbjahres meiner zehnten Klasse habe ich die vierte Stufe der école secondaire in den Laurentians, einer sehr ländlichen, beinahe dem Schwarzwald ähnelnden Region in Québec besucht. Ich lebte bei einer sehr freundlichen Gastfamilie „dans le bois“, also mitten im Wald, mit dem Schulbus als einziger Verkehrsanbindung.

In Québec gibt es ausschließlich Gesamtschulen, die als Ganztagsschulen mit vier Unterrichtseinheiten zu je 75 Minuten und einer langen Mittagspause organisiert sind. Man wird im Alter von fünf Jahren in die école maternelle eingeschult und kommt nach einem Jahr für sechs Jahre auf die école primaire. Danach besucht man normalerweise für fünf Jahre die école secondaire, hat allerdings auch die Möglichkeit, sie nach drei Jahren schon zu verlassen. Wer auf die Uni möchte, geht anschließend für zwei beziehungsweise drei Jahre auf ein schon fachlich spezialisierendes Cégep.

QuebecDie secondaire hat ein Kurssystem ähnlich unserer Kursstufe mit vielen verschiedenen spezialisierten Zügen wie Hockey, Tanzen, Cheerleading oder Volleyball. In der Regel hat man (jedenfalls in meiner Stufe) neun Unterrichtsfächer parallel.

Ich kam in die einzige Klasse, die seit der secondaire 1 geschlossen unterrichtet wird, der „option des ameriques“, in der generell etwas mehr Leistung erwartet und eine zweite Fremdsprache neben Englisch gelernt wird, um dann nach vier Jahren eine zweiwöchige Reise nach Lateinamerika zu machen. Da das von langer Hand vorbereitet wird, konnte ich zwar nicht mit meiner Klasse nach Mexiko reisen, bekam so aber in der Zeit die Gelegenheit, mehrere Lehrer im Einzelunterricht zu erleben und Freundschaften außerhalb meiner Klasse zu schließen. So lernte ich schlussendlich auch den Musiklehrer kennen, der mich von da ab immer wieder für praktisches Musizieren in viele seiner Klassen mitnahm.

Ich wurde von vornherein sehr freundlich in meiner Klasse aufgenommen, auch wenn das québecois für mich zuerst schwer verständlich war, und ich habe meine Mittagspause nie alleine verbringen müssen.

Der Umgang zwischen Schülern und Lehrern ähnelt dem unsrigen, nur dass die Lehrer meistens mit Vornamen angesprochen werden. In der Mittagspause kann man regelmäßig in „récup“ gehen, das heißt, der Lehrer ist in seinem Klassenraum und die Schüler können ihm Fragen stellen oder Hausaufgaben machen, wobei es mir schien, als ob die Hausaufgaben insgesamt keinen besonders verbindlichen Charakter hätten. Zweimal pro Woche habe ich mich also lieber dem Laufclub angeschlossen, einem kostenlosen Angebot für alle Schüler aller Niveaus, in das auch ansonsten getrennt unterrichtete behinderte Schüler integriert werden. Mit diesem Club kam ich sogar als 10-km-Läuferin nach Kanadas Hauptstadt Ottawa.
Außerdem bietet die Schule regelmäßige Theaterfahrten nach Montreal an, und ich konnte sogar an einer klassenübergreifenden Reise nach New York teilnehmen.

An der Polyvalente des Monts, der Schule, die ich besuchte, gibt es zwar keine komplette Schuluniform, aber doch eine ziemlich strenge Kleiderordnung, die schwarze oder dunkelrote Polohemden ohne Logo oder schwarze oder weiße Blusen vorschreibt. Auch die Rock- und Hosenlänge ist ausgesprochen züchtig geregelt.

Am Ende des Schuljahres werden in vielen Fächern den Stoff des gesamten Jahres umfassende Examina geschrieben, an denen ich deshalb nicht teilnehmen musste.
Aber auch ich bekam am Ende einen „Meritas“ für herausragende Leistungen verliehen: Man liebt Auszeichnungen und vergibt sie ab der secondaire 3 in jedem Fach an den stufenbesten Schüler.

Das Schuljahr endet für die Schulabgänger mit dem „bal des finissants“, einer Veranstaltung, die in erster Linie aus Fotoshootings in glamourösen Ballkleidern und einem großen Essen besteht und zu der ich als Begleitung eines Absolventen eingeladen war.

Ich habe in Québec Freundschaften geschlossen, die hoffentlich eine Weile halten werden und habe noch einiges nützliches Außerschulisches gelernt: Wie man bei -30 Grad Ski fährt, ohne zu erfrieren, wie man Putine isst, wie und wann man den Ahorn für „eau à l’érable“ anbohrt, wie man die Angriffe der Mücken im Frühsommer übersteht, die Begeisterung für das Eishockeyteam der Canadiens de Montreal, wie dank Internet Freundschaften auch über den Atlantik hinweg lebendig bleiben können und wie man sich als deutsche Austauschschülerin durch die dortige Fetenlandschaft bewegt, ohne zu kiffen.

Teilnahme an einer Sitzung des europäischen Jugendparlaments in Finnland – November 2014 – von Mariel Wendel,K 2

Wenn man

– ohne größeren Aufwand von Frankfurt nach Helsinki fliegen kann und dafür nur einen Personalausweis braucht,

– für die SMS, dass man gut angekommen ist, soviel bezahlt wie innerhalb Deutschlands,

– einen Kaffee wie gewohnt mit Euromünzen kaufen kann,

dann ist man in Europa.

Doch Europa ist weitaus mehr als unbeschwertes Reisen, und das habe ich bei meiner Salo2Teilnahme an einer Sitzung des „European Youth Parliament“ (EYP) im finnischen Salo live miterlebt.

Doch was ist das EYP überhaupt? Seit 1990 bietet das EYP mit Unterstützung der Schwarzkopfstiftung europaweit Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Plattform, ihre Ideen zu europapolitischen Themen auszutauschen und so zu einer gemeinsamen europäischen Zukunft beizutragen. Regelmäßig finden dazu dann verschiedene Sitzungen auf nationaler und internationaler Ebene sowie Foren europaweit statt, auf denen die Teilnehmer sich in einem internationalen Rahmen präsentieren können. Sitzungssprache ist dabei Englisch.

Für mich begann alles mit der Regionalen Auswahlsitzung des EYP in Frankfurt am Main im Frühling dieses Jahres. Dort diskutierte ich mit über 100 Jugendlichen aus ganz Europa über die Zukunft des Euros. In meinem Ausschuss beschäftigten wir uns speziell mit der Mobilitätsfrage, einer möglichen Lösung für den Bedarf an qualifizierten Fachkräften und hohen Arbeitslosenzahlen auf der anderen Seite. Am Ende der Sitzung verkündete die Jury, dass ich zusammen mit zwei weiteren Schülern Deutschland bei einer regionalen Sitzung in Finnland vertreten dürfte.

Und nun war es endlich soweit. Anfang November machte ich mich auf die Reise in die südfinnische Kleinstadt Salo, etwa zwei Zugstunden von der Hauptstadt Helsinki entfernt. Dort fand die Sitzung in einer neugebauten Schule statt, wo ich über 120 Jugendliche und junge Erwachsene aus über 15 europäischen Ländern traf. Nachdem der finnische Landwirtschaftsminister die Sitzung für eröffnet erklärte, starteten für mich drei spannende Tage. Die Sitzungen beim EYP gestalten sich alle in ihrem Aufbau ähnlich.  Zuerst gibt es eine Teambuildingphase, bei der sich die Delegierten aus den einzelnen Ausschüssen besser kennenlernen und auf die gemeinsame Arbeit einstimmen. Auch wenn viele der Spiele zuerst etwas albern auf mich wirkten, merkte ich schnell, wie aus Unbekannten ein starkes Team wurde, in dem einer auf den anderen zählen kann. Danach folgt die „Committee Work“, also die Arbeit in den Ausschüssen. In Salo war ich im Ausschuss für Sicherheit und Verteidigung, dort haben wir uns intensiv mit dem Urkaine-Konflikt und den möglichen Auswirkungen auf die baltischen Staaten sowie den Ländern, die einst zur Sowjetunion zählten, auseinandergesetzt. Unsere Aufgabe war es Handlungsmaßnahmen zur Konfliktlösung vonseiten Europas in Form einer gemeinsamen Resolution auszuarbeiten. Und zu guter Letzt folgte dann die „General Assembly“, die parlamentarische Vollversammlung, hierbei wurden schließlich die Resolutionen der einzelnen Ausschüsse diskutiert und über sie abgestimmt. Die General Assembly ist in meinen Augen das Highlight einer Sitzung, da hier die gesamte Arbeit der letzten Tage erfolgreich abgerundet wird. Und auch die vielen Stunden Arbeit meines Teams zahlte sich aus, als wir unsere Resolution souverän verteidigen konnten und eine große Mehrheit für sie stimmte. Neben den vielen Arbeitsphasen blieb dann auch noch Zeit für den kulturellen Austausch, und so hatten wir eine Menge Spaß auf der Mottoparty oder bei zahlreichen gemütlichen Treffen.

Die Sitzung in Salo mag zwar zu Ende sein, aber nicht die Begeisterung für eine gemeinsame Sache, Europa. In uns lebt diese Sitzung irgendwie weiter, denn sie hat jeden von uns  den 120 Beteiligten in irgendeiner Form zum Denken, vielmehr zum Handeln angeregt. Ich bin dankbar für diese einmalige Möglichkeit, Finnland etwas besser kennenzulernen und dabei so viele neue Freundschaften zu schließen.

Europa ist weitaus mehr als nur unbeschwerte Reisefreiheit und gemeinsamen Verbraucherstandards – Europa, das sind wir!